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Zwischen Jubel und Entscheidung

Palmsonntag 2026 in St. Elisabeth:

Zwischen Jubel und Entscheidung

Mit einer großen Schar von Mitfeiernden begann am Sonntag, 29. März 2026, in St. Elisabeth die Feier des Palmsonntags – und damit der bewusste Eintritt in die Heilige Woche. Auch kaltes Wetter, Wind und Regen konnten die Pfarrgemeinde nicht abhalten, den Auftakt „draußen“ zu feiern. Pfarrer Gerald meinte augenzwinkernd: „Jesus hat ja auch nicht zu Pilatus gesagt: Gell – das Wetter ist mies, verschieben wir doch die Kreuzigung…!“ 😊

Der Gottesdienst war geprägt von drei eindrücklichen Stationen, die den Weg Jesu nicht nur nachzeichneten, sondern auch in die Gegenwart hinein übersetzten.

1. Station: Segnung der Palmzweige beim Theater Akzent
Zu Beginn stand die Segnung der Palmzweige vor dem Theater Akzent. Nach dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem griff Pfarrer Gerald ein besonderes Detail aus dem Matthäusevangelium auf: Zwei Tiere sind genannt – eine Eselin und ihr Fohlen. Was zunächst ungewöhnlich wirkt, verweist auf die tiefe Verwurzelung Jesu in den Verheißungen des Alten Testaments.

Jesus geht seinen Weg nicht zufällig, sondern in innerer Klarheit – wie ein Zugvogel, der seinem Ziel folgt. Darin liegt auch eine Einladung an uns: unserem inneren „Zug“ zu vertrauen – dem, was trägt, auch durch Schwieriges hindurch. Jesus geht diesen Weg unabhängig von Applaus oder Widerstand – und teilt dabei das menschliche Schicksal, um es auf Leben hin zu wenden.

2. Station: Innehalten vor der „zugemauerten“ Kirchentür
Vor den mit Bausteinen – dem heurigen Fastenzeitsymbol – „zugemauerten“ Kirchentoren wurde bewusst innegehalten. Die verschlossene Tür wurde zum starken Symbol für Barrieren in unserem Leben, die uns oft allzu leicht von unserem Weg abbringen.

Die Mitfeiernden waren eingeladen, innerlich „abzulegen“, was ein bewusstes Mitgehen verhindert: bloßes Mitlaufen, religiöse Routine oder Gleichgültigkeit gegenüber Gott und dem Leid der Welt. Sichtbar wurde dies auch im gemeinsamen Handeln: Die Mauer wurde Schritt für Schritt abgetragen – zunächst durch Pfarrer Gerald, dann mit Unterstützung engagierter Mitfeiernder.

3. Station: In der Kirche – die Passion
In der Kirche wurde die eindrucksvolle Passion nach Matthäus mit verteilten Rollen vorgetragen. Die Mitfeiernden waren als „Volk“ aktiv einbezogen und konnten mit den projizierten Texten mitsprechen.

In der Predigt wurde das Symbol des Ziegelsteins weiter vertieft: Bausteine können Mauern der Angst errichten – oder tragende Grenzen bilden, die Leben schützen und Entwicklung ermöglichen.

Der Blick richtete sich dabei auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen: Die Dynamik der Menschenmenge, die am Palmsonntag „Hosanna“ ruft und wenig später „Kreuzige ihn“, zeigt, wie formbar Stimmungen sind. Diese Erfahrung ist hochaktuell: Vereinfachungen, klare Feindbilder und emotionale Zuspitzungen prägen auch heute öffentliche Diskurse.

Deutlich wurde: Die Gefahr liegt nicht nur „bei den anderen“, sondern in der eigenen Bereitschaft, sich treiben zu lassen. Glaube bedeutet daher, nicht einfach mitzulaufen, sondern zu prüfen, Haltung zu zeigen und sich bewusst zu entscheiden.

Jesus selbst wird dabei zum Gegenbild: Er nutzt keine Emotionen aus, sucht keine Macht, sondern lebt Klarheit ohne Härte und Standfestigkeit ohne Gewalt. Er baut keine Mauern der Angst, sondern eröffnet Räume, in denen Würde, Wahrheit und Liebe wachsen können.

Eine lebendige Feier der ganzen Gemeinde
Ein besonders schöner Moment war, als die Kinder aus der voll gefüllten Kinderkirche im Pfarrsaal zur Gabenbereitung in die Kirche zurückkehrten und so ihre eigene lebendige Erfahrung in die gemeinsame Feier einbrachten.

In der Eucharistie fand schließlich alles seinen Höhepunkt.

Nach der Festmesse klang der Vormittag im Pfarrsaal beim Ostermarkt aus – die Heilige Woche hat spürbar kraftvoll begonnen.

Fotos: Ute Schellner