Oster-So, 5. April 2026:Noch tief in der Nacht (4:30 Uhr) versammelte sich die Gemeinde vor der Kirche – rund um das Osterfeuer. Dort wurde Altes bewusst losgelassen: Zeichen, Texte und Überreste aus der vergangenen Zeit gingen in Flammen auf – auch die alten „Heiligen Öle“: Ein stilles, starkes Zeichen: Neues darf beginnen.
Von diesem Feuer her wurde die Osterkerze entzündet und in die dunkle Kirche getragen. Mit ihr kam das Licht – und mit dem feierlichen Osterlob brach sich die Freude Bahn: Christus hat das Dunkel überwunden.
In mehreren Lesungen wurde die große Geschichte Gottes mit den Menschen wachgerufen: Befreiung, neues Leben, Verheißung. Schritt für Schritt wuchs die Feier auf Ostern hin – bis im Gloria mit Glocken, Licht und Gesang die Auferstehung förmlich aufleuchtete. Sichtbar wurde das auch in einem besonderen Zeichen: Aus den Bausteinen der Fastenzeit hat Christoph Bauer einen wunderschönen Leuchter für die Osterkerze gestaltet: Das Licht wächst aus dem, was wir am Karfreitag zu Gott gebracht haben!
Die Schrifttexte führten weiter zur Mitte des Festes: Christus ist auferstanden – und begegnet uns nicht fern, sondern mitten im Leben, konkret im Alltag („Galiläa“). Diese Zusage wurde in der Feier der Tauferneuerung persönlich: Wasser wurde gesegnet, das eigene Taufversprechen erneuert – ein bewusstes Ja zum Leben aus der Auferstehung.
In der Eucharistie verdichtete sich alles, was in dieser Nacht gefeiert wurde. Die anschließende Speisensegnung vor der Kirche führte das Fest in den Alltag weiter – verbunden mit kleinen österlichen Zeichen, die jede und jeder mit nach Hause nehmen konnte.
Mit dem anbrechenden Morgen klang die Liturgie aus – und ging im gemeinsamen Frühstück weiter: Ostern zum Schmecken und Teilen.
Am späteren Vormittag wurde das Fest in einer weiteren feierlichen Messe fortgesetzt, musikalisch besonders gestaltet durch unseren Pfarrchor St. Elisabeth unter der Leitung von Daniel Mair.
Ein herzliches Danke gilt allen, die diese intensiven Tage mitgetragen und mitgestaltet haben – sichtbar und im Hintergrund.
Christus ist auferstanden – er ist wahrhaft auferstanden!
Zwischen Kreuz und Klage: Ein Abend, der unter die Haut geht Karfreitag in St. Elisabeth – 3. 4. 2026
Der Karfreitag begann am Nachmittag mit einer intensiv mitgefeierten Kreuzwegandacht – heutige Situationen von Krieg und Leid prägten die Andacht. Um 15 Uhr – zur überlieferten Todesstunde Jesu – wurde bewusst innegehalten: „Es ist vollbracht.“
Am Abend setzte sich die Feier der drei österlichen Tage fort. Schlicht und eindringlich der Beginn: kein Einzug, sondern ein stilles Sich-Hinwerfen vor Gott. Worte aus dem Hebräerbrief erinnerten daran, dass Christus unser Leben kennt, mitträgt und vor Gott bringt.
Im Wortgottesdienst wurde die Passion ungewöhnlich lebendig: Fünf biblische Gestalten – Petrus, Veronika, Simon von Cyrene, Maria aus Magdala und Johannes – gaben der Leidensgeschichte ihre Stimme. Aus verschiedenen Perspektiven wurde spürbar: Dieses Geschehen ist kein fernes Ereignis. Es berührt uns!.
In seiner Predigt stellte Pfarrer Gerald die Beziehung zu unserem Leben her: „Jetzt gilt es vom Zuschauen ins Handeln zu kommen; Karfreitag ist kein Theater, es geht nicht um ‚die damals‘. Es geht um uns – heute.“ Und er zitierte aus dem Text eines Liedes, das in Folge beim Tanz anklang: „Ich höre Dein SOS, Dein SOS“.
Nach meditativen Klängen des St.-Elisabeth-Chores galt es, die eigenen Tod-Situationen mit dem die Österliche Bußzeit begleitenden „Baustein“ zu verbinden oder auf kleine Zetterl zu schreiben.
Musik und stille Momente öffneten Raum, eigene Erfahrungen von Bruch und Grenze vor Gott zu bringen – sichtbar gemacht in aufgeschriebenen Gedanken und Symbolen.
Dann wurde das große Kreuz herein gebracht und in 3 Stationen vorgetragen, sowie enthüllt.
Alle waren eingeladen, den eigenen Kreuz-Situationen intensiv nachzufühlen. Diese Meditation fand dann Höhepunkt in einem beeindruckenden, von Raphaela Hauck vorgetragenen Ausdruckstanz zu Hilflosigkeit und Gottesfrage („Mein Gott – wo bist Du? Warum hilfst Du nicht?“).
Bei der Kreuzverehrung trugen die Mitfeiernden dann ihren Stein zum Kreuz, steckten ihre Zettel in die aufgestellte „Klagemauer“; andere verehrten mit Kniebeuge, Gebetsstille, Blumen oder Berührung.
Die großen Fürbitten weiteten schließlich den Blick auf die Not der Welt. Aktuelle, eingeblendete Bilder und Anliegen verbanden persönliches Erleben mit globalem Leid – getragen im gemeinsamen Gebet bis hin zum Vaterunser.
Am Ende kein Abschluss im eigentlichen Sinn: Während die „Grablegung Jesu“ verkündet wurde, zog die Feier in die in den Duft verglühender Myrrhe getauchte Kapelle weiter. Dort klang der Abend offen aus – im Angesicht von Tod und Stille, die noch keine Antwort kennt.
Mit dem Gründonnerstag begann in St. Elisabeth die Feier der österlichen drei Tage. Nach einer gemeinsamen Vorbereitung aller Mitwirkenden im Pfarrhaus zogen die „Dienste“ feierlich in die Kirche ein. Dabei wurden auch die frisch im Stephansdom geweihten heiligen Öle mitgebracht: das Katechumenenöl, der Chrisam und das Krankenöl – sichtbare Zeichen für die Sakramente und das Leben der Kirche.
Die Feier nahm ihren Ausgang beim Pessachmahl, das auch Jesus an diesem Abend begangen hat. In der Verkündigung wurde deutlich: Als Christinnen und Christen glauben wir nicht an einen fernen Gott – sondern an einen, der sich im gemeinsamen Mahl, im gebrochenen Brot, ganz konkret schenkt. Diese Gegenwart zeigt sich ebenso im Auftrag Jesu, einander zu dienen: „Dort ist der Herr genau so da, wie in der Eucharistie“ wie Pfarrer Gerald im Hinblick auf das Evangelium ausführte.
Ein starkes Zeichen dafür war die Einladung zur Handwaschung und anschließenden Salbung: sich berühren lassen, sich stärken lassen – und selbst zum Segen für andere werden.
Dann die Eucharistie, in der die Pfarrgemeinde ihr Leben mit einem gemeinsamen, großen Brot und einem gut gefüllten Krug Wein vor Gott brachte – Wandlung und genau darin Seine Gegenwart feierte. Danach ging die Feier in eine schlichte Agape über, bewusst kurz gehalten, ganz im Sinne des biblischen „esst es hastig“.
Der Abend führte schließlich in die Stille: Gemeinsam wurde das Allerheiligste in die Kapelle übertragen, wo ein kurzes Ölberggebet Raum gab, das eigene Leben vor Gott zu bringen und mit ihm zu wachen.
Ohne eigentlichen Abschluss ging die Liturgie in die Nacht über: Der Altar wurde abgedeckt, die Zeichen der Feier entfernt – und die Gemeinde trat ein in die Erwartung des Karfreitags.
Mit einer großen Schar von Mitfeiernden begann am Sonntag, 29. März 2026, in St. Elisabeth die Feier des Palmsonntags – und damit der bewusste Eintritt in die Heilige Woche. Auch kaltes Wetter, Wind und Regen konnten die Pfarrgemeinde nicht abhalten, den Auftakt „draußen“ zu feiern. Pfarrer Gerald meinte augenzwinkernd: „Jesus hat ja auch nicht zu Pilatus gesagt: Gell – das Wetter ist mies, verschieben wir doch die Kreuzigung…!“ 😊
Der Gottesdienst war geprägt von drei eindrücklichen Stationen, die den Weg Jesu nicht nur nachzeichneten, sondern auch in die Gegenwart hinein übersetzten.
1. Station: Segnung der Palmzweige beim Theater Akzent Zu Beginn stand die Segnung der Palmzweige vor dem Theater Akzent. Nach dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem griff Pfarrer Gerald ein besonderes Detail aus dem Matthäusevangelium auf: Zwei Tiere sind genannt – eine Eselin und ihr Fohlen. Was zunächst ungewöhnlich wirkt, verweist auf die tiefe Verwurzelung Jesu in den Verheißungen des Alten Testaments.
Jesus geht seinen Weg nicht zufällig, sondern in innerer Klarheit – wie ein Zugvogel, der seinem Ziel folgt. Darin liegt auch eine Einladung an uns: unserem inneren „Zug“ zu vertrauen – dem, was trägt, auch durch Schwieriges hindurch. Jesus geht diesen Weg unabhängig von Applaus oder Widerstand – und teilt dabei das menschliche Schicksal, um es auf Leben hin zu wenden.
2. Station: Innehalten vor der „zugemauerten“ Kirchentür Vor den mit Bausteinen – dem heurigen Fastenzeitsymbol – „zugemauerten“ Kirchentoren wurde bewusst innegehalten. Die verschlossene Tür wurde zum starken Symbol für Barrieren in unserem Leben, die uns oft allzu leicht von unserem Weg abbringen.
Die Mitfeiernden waren eingeladen, innerlich „abzulegen“, was ein bewusstes Mitgehen verhindert: bloßes Mitlaufen, religiöse Routine oder Gleichgültigkeit gegenüber Gott und dem Leid der Welt. Sichtbar wurde dies auch im gemeinsamen Handeln: Die Mauer wurde Schritt für Schritt abgetragen – zunächst durch Pfarrer Gerald, dann mit Unterstützung engagierter Mitfeiernder.
3. Station: In der Kirche – die Passion In der Kirche wurde die eindrucksvolle Passion nach Matthäus mit verteilten Rollen vorgetragen. Die Mitfeiernden waren als „Volk“ aktiv einbezogen und konnten mit den projizierten Texten mitsprechen.
In der Predigt wurde das Symbol des Ziegelsteins weiter vertieft: Bausteine können Mauern der Angst errichten – oder tragende Grenzen bilden, die Leben schützen und Entwicklung ermöglichen.
Der Blick richtete sich dabei auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen: Die Dynamik der Menschenmenge, die am Palmsonntag „Hosanna“ ruft und wenig später „Kreuzige ihn“, zeigt, wie formbar Stimmungen sind. Diese Erfahrung ist hochaktuell: Vereinfachungen, klare Feindbilder und emotionale Zuspitzungen prägen auch heute öffentliche Diskurse.
Deutlich wurde: Die Gefahr liegt nicht nur „bei den anderen“, sondern in der eigenen Bereitschaft, sich treiben zu lassen. Glaube bedeutet daher, nicht einfach mitzulaufen, sondern zu prüfen, Haltung zu zeigen und sich bewusst zu entscheiden.
Jesus selbst wird dabei zum Gegenbild: Er nutzt keine Emotionen aus, sucht keine Macht, sondern lebt Klarheit ohne Härte und Standfestigkeit ohne Gewalt. Er baut keine Mauern der Angst, sondern eröffnet Räume, in denen Würde, Wahrheit und Liebe wachsen können.
Eine lebendige Feier der ganzen Gemeinde Ein besonders schöner Moment war, als die Kinder aus der voll gefüllten Kinderkirche im Pfarrsaal zur Gabenbereitung in die Kirche zurückkehrten und so ihre eigene lebendige Erfahrung in die gemeinsame Feier einbrachten.
In der Eucharistie fand schließlich alles seinen Höhepunkt.
Nach der Festmesse klang der Vormittag im Pfarrsaal beim Ostermarkt aus – die Heilige Woche hat spürbar kraftvoll begonnen.
Am 2. Fastensonntag ein wichtiges Ereignis in der 9-Uhr-Messe / St. Elisabeth: Patrick, in evangelischer Kirche getauft, wurde (wie seine Familie) in die Gemeinschaft der Katholischen Kirche aufgenommen.
Die Messe war fastenzeitgemäß gestaltet – die thematische Grundlinie drehte sich um im Evangelium anklingende Grenzen (vgl. Predigt unten).
Nach dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens wurde Patrick in die Gemeinschaft unserer Kirche aufgenommen – liebevoll von seiner Gattin, seinen Eltern, Schwiegereltern und Kindern umgeben. Wasser wurde gesegnet – mit dem „Asperges“-Besprengen die gemeinsame Taufe wach gerufen.
Sodann – wie bei Aufnahmen von Erwachsenen üblich – wurde Patrick gefirmt: „Sende ihm deinen Heiligen Geist, den Beistand…; Patrick, sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist!“
Im zuerst persönlich ihm gegebenen und dann in der ganzen Feier-Gemeinde geschenkten Friedensgruß ging fröhliche Stimmung durch die Feier, die in der Eucharistie ihre Fortsetzung fand.
Und natürlich wurde anlassgemäß für die schwierige Situation im Iran gebetet: Für alle vom Krieg Betroffenen jeglicher Nation: Um Frieden und Gerechtigkeit, Freiheit und eine heilvolle Zukunft!
Willkommen, lieber Patrick, in unserer Gemeinschaft – Gott be-GEIST-ere Dich auch auf allen zukünftigen Wegen Deines Lebens!
Fotos: Bernhard Cantzler.
Predigt von Pfarrer Gerald – 2. Fastensonntag 2026; Baustein: Grenzen
Wann seid Ihr zuletzt an eine Grenze gestoßen?
Ich meine nicht die Landesgrenze oder ein Tempolimit, sondern innerlich. Dieser Moment, in dem Ihr sagt: „Ich kann nicht mehr.“ „So geht es nicht weiter.“ „Das schaffe ich nicht.“
Wir reden viel von Freiheit. Von Selbstverwirklichung. Von Möglichkeiten ohne Ende. Und doch ist unser Leben voll von Grenzen.
Im Psalm 147 heißt es – es begleitet seit Aschermittwoch uns durch die Fastenzeit: „Er verschafft deinen Grenzen Frieden.“ Da steht nicht: Er hebt deine Grenzen auf. Sondern: Er schenkt ihnen Frieden.
Vielleicht ist das eine Spur für die Fastenzeit. Es geht nicht darum, grenzenlos zu werden. Sondern darum, heilvoll mit den eigenen Grenzen zu leben.
Der Baustein (groß vor Altar, klein als Symbol und Fastenzeit-Begleiter) allen mitgegeben erinnert daran:
Ein Baustein ist nie neutral. Er baut. Die Frage ist: Schutzraum – oder Mauer?
1. Räume der Geborgenheit, in denen Leben wachsen kann: Am Brunnen begegnet Jesus der Samariterin (vgl. Jh 4): Er stellt sie nicht bloß. Er drängt nicht. Er eröffnet „Raum“.
Er blickt sie liebevoll an! Und plötzlich kann sie sprechen: wahr, frei, ohne Maske.
So sehen bergende Grenzen aus: Ich darf sein. Ich werde ernst genommen. Ich wachse.
Wo so gebaut wird, fließt „lebendiges Wasser“ (vgl. Jh 4,13-15), blüht Leben auf!
2. Mauern, die Leben ersticken
Andere Bausteine machen eng, es sind Ziegelsteine aus Angst, Rechthaberei, Verletzung.
Sie trennen Menschen, vergiften Beziehungen, verhärten Herzen – hetzen auf und machen andere klein, engen ein.
„Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.“ betet dagegen der Psalmist (Ps 18,30) Gott sprengt nicht jeden Wall. Aber er gibt Kraft, ihn zu überwinden.
Österliche Bußzeit – Fastenzeit – Zeit, wo wir uns fragen können: Welche Bausteine halte ich fest? Welche sollte ich loslassen, welche heilvoller einsetzen? Wie baue ich heilvolle und friedvolle Grenzen?!
Im heutigen Evangelium gehen Jesus und drei Jünger auf einen Berg. Der Berg ist ein Grenzort – zwischen Himmel und Erde. Dort wird der Blick klarer. Man sieht weiter. Tiefer. Über das Alltägliche hinaus.
Für die Jünger öffnet sich eine Grenze – die des bisherigen Wahrnehmens.
Denn genau dort erleben sie einen Lichtmoment, eine Sternstunde. Jesus wird verwandelt. Für einen Augenblick wird sichtbar, wer er wirklich ist.
Vielleicht kennt Ihr solche Momente. Augenblicke tiefer Liebe, wo Liebe zu einem Menschen plötzlich ganz andere Dimensionen annimmt. Erfahrungen von „Trost“ im eigenen Herzen. Sternstunden des Glaubens. Ein inneres Aufleuchten, in dem alles stimmt.
Petrus will diesen Moment festhalten. Hütten bauen. Bleiben. Verständlich. Aber wenn man Sternstunden festhält, wird der Schutzraum schnell zur toten und erstickenden Mauer.
Solche Momente sind nicht zum Konservieren da, sondern zum Durchspüren.
Und mitten hinein spricht die Stimme: „Auf ihn sollt ihr hören.“
Darum geht’s: Auf IHN hören. Nicht auf jede Stimme. Nicht auf die inneren Antreiber, die ständig sagen: Du musst mehr. Du musst besser. Du darfst keine Schwäche zeigen. Nicht auf die Stimmen, die Angst machen oder überfordern.
„Auf ihn sollt ihr hören.“
In der Bibel führt Gott Menschen immer wieder durch Grenzen ins Leben: Abram bricht in er 1. Lesung auf: Er hört auf Gott und setzte es um: Er lässt einengende Grenzen der Groß-Sippe zurück, befreit sich von einem übergroßen Norm-Zusammenhang – er bricht auf und geht ins Land des Heiles. Später hört das Volk Israel auf Gott – und zieht durch das Meer in die Freiheit. Am Sinai werden Gebote geschenkt – nicht als Einengung, sondern als Leitplanken, als heilvolle Grenzen zur Freiheit und zum Leben. Heilvolle Grenzen als Weg zum Heil.
Auf Christus hören heißt auch: sich abgrenzen. Von Überforderung – aber auch von Bequemlichkeit, die mir sagt, dass eh alles egal wäre oder ich mich mit mir selbst begnügen soll. Wie kann ich diese Stimme Gottes von anderen unterscheiden?
Oft ist es ein Weg, den eigenen Sehnsüchten trauen, ihnen sorgsam nachzugehen. Ein wichtiger Weg, Gottes Stimme zu hören, ist, dem eigenen Gewissen Raum zu geben. Die Momente ernst nehmen, in denen Ihr innerlich aufblüht oder getröstet werdet; bei Ignatius von Loyola ist der wirkliche, ehrliche und tiefe „Trost“ das Kriterium, ob eine Stimme von Gottes Geist kommt oder vom „Un-Geist“.
Und dann kommt der Abstieg vom Berg. Zurück in den Alltag. Die Sternstunde ist nicht für die Dauer. Es geht nicht um das Genießen spiritueller Momente und es mr dann verzückt in ihnen gemütlich zu machen: Nein: Es soll mich für’s alltägliche Leben inspirieren – dort gilt es, die Welt zum Heil mitzuverändern!
Aber wer dort gehört hat, wessen Blick geklärt wurde, der geht anders hinunter.
Fastenzeit heißt nicht: Grenzen sprengen. Sondern: in ihnen neu Frieden finden. Und auf den hören, der ins Leben führt.
„Er verschafft deinen Grenzen Frieden.“ – Dieses Wort aus dem Psalm 147 stand über dem Aschermittwoch in St. Elisabeth und eröffnete die Österliche Bußzeit unter dem Leitgedanken: Grenzen.
Schon beim Betreten der Kirche wurde das Thema sichtbar: Zwischen den Bankreihen zog sich eine „Mauer“ aus Ziegelsteinen und Lichtern. Ein starkes Bild: Grenzen können schützen, reifen lassen und Licht bergen – oder kalt abschotten, trennen und töten.
Auch die Liturgie war bewusst reduziert. Verhüllte Bilder, ein stiller Einzug, Konzentration auf das Wesentliche.
In seiner Predigt zu Psalm 147 entfaltete Pfarrer Gerald die Spur für die kommenden Wochen: Fastenzeit als Einladung, mit den eigenen Grenzen Frieden zu finden. Gute Grenzen schützen Leben, Beziehungen und inneres Wachstum. Mauern jedoch, die aus Angst oder Verhärtung entstehen und oft kalt und tödlich werden, gilt es abzubauen.
Mit der Verbrennung der Palmzweige des Vorjahres wurde deutlich: Vergangenes darf gehen. Das Aschenkreuz markierte den Neubeginn dieser „Zeit der Gnade“ – mit der Zusage: Unsere Sterblichkeit ist real. Doch durch Kreuz und Auferstehung Jesu sind wir auf Leben und Hoffnung hin ausgerichtet.
Als persönliches Zeichen erhielt jede und jeder einen kleinen Baustein mit Impuls-Kärtchen. Er steht für die „Baumaterialien“ des eigenen Lebens: für Haltungen, Worte und Entscheidungen, die entweder Geborgenheit schaffen oder Mauern errichten. In Anlehnung an die Begegnung Jesu mit der Samariterin (Jh 4) wurde deutlich: Gott will keine Mauern der Angst, sondern heilende Grenzen, in denen Würde und neues Leben wachsen können.
Mit Gebet und Segen endete die Feier – und begann zugleich ein Weg: Der Baustein darf durch die Fastenzeit begleiten – im Hosensack, am Küchentisch, im Auto. Als stiller Erinnerungsstein: Woran baue ich?
Am Karfreitag sind alle eingeladen, den Baustein zur Kreuzverehrung mitzubringen, ihm hinzulegen – im Vertrauen darauf, dass Gott auch mit Brüchen weiterbaut und in der Auferstehung neues Leben schenkt.
Kinderfasching in St. Elisabeth, Sonntag 25. 1. 2026
Am Beginn des neuen Jahres fand auch schon das erste Highlight – unser traditioneller Kinderfasching im Pfarrsaal von St. Elisabeth statt. Etwa 45-50 Kinder kamen in großartigen Kostümen verkleidet mit viel Freude zu diesem Fest und konnten bei Tanz- und Bewegungsspielen mit viel Musik so richtig herumtollen. Der Limbotanz, das Seilziehen und der Sesseltanz durften auch heuer nicht fehlen. In der Pause konnten sich alle stärken und liebe Gespräche geführt werden.
Vielen Dank an unsere Jungschar-Leiterinnen Nelli, Raphaela und Lotti, die toll durch das Programm geführt haben! Nach ganz vielen dankbaren Rückmeldungen ist der Kinderfasching für das nächste Jahr schon vorgemerkt.
Fotos: Sonja und Regina Tischberger, Manuela Bistricky
Sternsinger-Messe in St. Elisabeth – Di, 6. 1. 2026
Höhepunkt der heurigen Sternsinger-Aktion: Die Festmesse am Epiphaniefest: „Könige“ brachten beim Kyrie die Erfahrungen der letzten Tage vor Gott, stellten die Lesung szenisch dar, brachten bei der Gabenbereitung alles Erlebte ins Feiern ein… – und verkündeten und sangen von der Frohen Botschaft, dass Gott zur Welt gekommen ist.
Über 30 Sternsinger/innen waren heuer allein von St. Elisabeth aus unterwegs, diese allein „ersangen“ über € 10.000,-
Ein Gesamtbericht über die Sternsingeraktion unserer Pfarre (Stand 8. 1. 2026, 18:30 Uhr: € 18.491,39 gesammelt; ca. 7.000 Menschen erreicht) findet sich HIER!
Jahres-Dank-Messe in St. Elisabeth – eine Gelegenheit, bewusst „anders“ auf das vergangene Jahr schauen: Nicht auf ein „perfektes Jahr“, wie so oft in politischen Rückblicken oder Geschäftsberichten der Wirtschaft, sondern ehrlich – auch darauf, was getragen, verwundet und dennoch lebendig geblieben ist.
Nach Dankandacht und Tauferinnerung („… auf Basis der Liebeszusage Gottes, können wir vertrauensvoll auch ins nächste Jahrstarten!“) ging es in den Wort-Gottes-Teil: Ausgangspunkt war das Christuskind aus unserer Krippe, das vor 2 Jahren bei der Christmette „abgestürzt“ und zerbrochen ist – und (auf Initiative von Christoph Bauer) in japanischer „Kintsugi“-Technik restauriert wurde: Die Bruchstellen wurden nicht verborgen, sondern vergoldet. Ein starkes Bild dafür, dass Gott das Zerbrochene nicht wegwirft, sondern verwandelt.
Ausgehend von Jes 11 („Aus dem Baumstumpf wächst ein Reis hervor“) und dem Evangelium vom Hirtenbesuch bei der Krippe Jesu und dessen Beschneidung wurde deutlich: Neues Leben entsteht nicht aus dem Unversehrten, sondern oft genau dort, wo Risse sind – im persönlichen Leben, in Kirche, Gesellschaft und Welt: Dankbar sind wir nicht für die Brüche, sondern dafür, dass Gott uns im Unheilen begleitet und Hoffnung wachsen lässt.
In einer symbolischen Handlung waren alle eingeladen, ihr eigenes Jahr vor Gott zu bringen: Vor das „geheilte“ Jesus-Kind zu treten, es ehrlich anzusehen; und dann ein Weihrauchkorn – Zeichen der Wunde, aus der Duft aufsteigt – auf die glühende Kohle zu legen; dann war die Möglichkeit von dort einen Goldfaden als Erinnerung an vergoldete Bruchstellen mitzunehmen. All dies wurde dann Eucharistisch vor Gott getragen, im „zerbrochenen Brot“ und „seinem Blut“ seine Gegenwart gefeiert… So wurde die Jahresdankmesse zu einer stillen, dichten Feier der Hoffnung: klein, verletzlich – und gerade darin von Gott berührt… (Die Predigt von Pfarrer Gerald findet sich ausformuliert – leicht überarbeitet – unten!).
Anschließend ging es mit Sekt im Pfarrsaal weiter – aus gemeinsamer Verbundenheit in Gott und Dankbarkeit für viel Gutes, können wir gelassen feiern…
Fotos: Sepideh Araghi, Ute Schellner, Regina Robanser
Predigt von Pfarrer Gerald aus der Jahres-Dank-Messe 2025
(… aus den Predigt-Notizen ausformuliert)
Manchmal fällt etwas einfach herunter. Nicht aus Bosheit. Nicht aus Nachlässigkeit. Es passiert. Ein unachtsamer Moment. Ein falscher Griff. Ein Schlag. Und etwas liegt in Scherben. So war es auch bei uns. In der Christmette 2023 ist unser Christuskind Eli zu Boden gefallen. Zerbrochen. Sichtbar beschädigt. Und sofort war die Frage da: Was tun wir jetzt? Wegwerfen? Schnell reparieren? Oder so herrichten, dass man möglichst nichts mehr sieht? Wir haben uns bewusst anders entschieden.
Auf Anregung von Christoph Bauer haben wir das Christuskind in einer Kintsugi-Technik restaurieren lassen: eine alte japanische Kunst: Nicht so tun, als wäre nichts passiert – sondern die Bruchstellen mit Gold hervorheben. Die Wunden bleiben sichtbar. Aber sie werden zu Linien, die erzählen: Hier ist etwas zerbrochen. Und es wurde nicht weggeworfen.
Genau dieses Bild nimmt uns heute das Wort Gottes an die Hand. Der Prophet Jesaja spricht nicht von einem prächtigen Baum. Nicht von gesunder Rinde und reicher Krone. Er spricht von einem Baumstumpf. Von etwas, das abgeschnitten ist. Von etwas, das nach Ende aussieht. „Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor.“ So Jesaja und so haben wir’s im Lied auch soeben besungen! Neues Leben entsteht nicht aus dem Gesunden, sondern dort, wo altes und alles gekappt scheint. In der Natur geschieht das oft auf zwei Arten: Dort, wo die Rinde reißt und ein Same hineinfällt. Oder dort, wo sich ein sogenanntes „Auge“ bildet – eine kleine Stelle, an der das innere Leben die harte Schale durchbricht: Nicht im Perfekten. Nicht im Glatten. Sondern im Verwundeten.
Auch das Evangelium erzählt genau davon. Die Hirten finden kein fertiges Heil. Keinen starken Retter. Sie finden ein Kind. Verwundbar. Bedürftig. Und wenige Tage später geht Gott selbst „unter die Haut“ – in der Beschneidung wird sichtbar: Dieser Gott bleibt nicht auf Abstand. Er lässt sich berühren. Er lässt sich verletzen. Wie oft suchen wir nach dem großen Baum. Nach dem perfekten Jahr. Nach einem Leben ohne Brüche.
Gerade jetzt, wenn wir auf 2025 zurückschauen. Und was finden wir stattdessen? Kein heiles Bild. Aber Spuren von Wunden. Vielleicht war 2025 für viele von uns mehr Bruch als Blüte. Mehr Abgeschnittenes als Gewachsenes. Mehr Verlust als Gewinn. Und doch feiern wir heute Hoffnung. Nicht, weil alles gut geworden wäre. Sondern weil Gott gerade dort neu beginnt. Wir sehen das auch in unserer Welt: Große Klimakonferenzen scheitern – aber vor Ort entstehen kleine Initiativen, Gemeinschaftsprojekte – auch unsere Photovoltaikanlage am Kirchendach in St. Florian ist jetzt fertig: Nachhaltiger Strom ohne jegliche Zerstörung. Politische Sicherheiten bröckeln – weder können wir uns noch auf die USA verlassen, noch auf Sicherheit in Europa; aber nach Traumata entstehen Kompromisse, leise Regierungsarbeit, neue Verantwortung. Weltpolitisch erschrecken Namen und Entwicklungen – aber Europa lernt: Wir müssen selbst stehen.
Vor einem Jahr war klar: Die großen, tragenden Parteien sind klein geworden, ein Kanzler seht bevor, der mir mehr als Bauchweh macht – und jetzt haben wir eine 3er-Regierung, die höchst unspektakulär und ohne prunkvolle Medienauftritte, nach und nach so glaube ich recht gut den Alltag gestaltet. Der Sozialstaat ist unter Druck – aber Menschen halten zusammen, engagieren sich in Caritas, spenden, helfen konkret; wenn ich allein schaue, was in unserer Pfarre läuft: bei Kollekten, Caritas-Sprechstunden, Wärmestube, LeO-Aktionen,… – ab übermorgen starten wieder 50, 60 Kinder und Jugendliche und sammeln als Sternsinger/innen, .. Migration macht Angst – aber im Kleinen wachsen Beziehungen zu denen, die bei uns wohnen; eine ganz spannende Gruppe hat sich bei uns darum gebildet. Unsere Kirche ist tief verwundet – viele sind gegangen. Und doch sind manche geblieben: verbindlicher, ehrlicher, tiefer. Frauen werden in der Kirche nach wie vor diskriminiert – und doch tragen sie mehr und mehr Verantwortung; die Diskriminierung wird mehr und mehr unglaubwürdig; vielleicht stehen doch endlich hier Durchbrüche an. Weniger Gottesdienstbesucher – aber mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen, neu getauft werden, Glauben leben.
Und auch im persönlichen Leben: Gescheiterte Beziehungen – und dennoch Neuanfänge. Krankheit, Unheil – und trotzdem Hoffnung. Alles das ist nicht spektakulär. Es sind kleine Pflänzchen. Zarte Anfänge. Ein Reis aus dem Baumstumpf. Ein Kind in der Krippe.
Heute danken wir Gott nicht für ein perfektes Jahr. Wir danken ihm dafür, dass er uns im Unheilen begleitet hat. Dass er uns nicht losgelassen hat. Wir danken nicht für die Brüche. Aber dafür, dass Gott sie nicht unberührt lässt. Dass er nicht wegwirft, was gefallen ist. Dass er nicht zuspachtelt, was verletzt. Sondern dass er aus Rissen Zugänge macht und aus Wunden Orte, an denen neues Leben aufblühen kann…
Stille
Darum lade ich euch jetzt ein. Kommt nach vorne. Schaut das verwundete Jesuskind an. Nicht flüchtig – wirklich. Legt ein Weihrauchkorn auf die glühende Kohle. Weihrauch ist das gehärtete Harz, das aus den Wunden des Weihrauchbaumes fließt – sein „Blut“. Gerade aus dieser Verletzung entsteht der Duft, der zu Gott aufsteigt. Und dann nehmt euch einen Goldfaden mit. Er ragt unter dem Jesuskind hervor. Als Erinnerung daran, dass Gott auch in euren Bruchstellen nicht abwesend ist.
Den Auftakt der Familienmesse am 4. Advent bildete auch diesmal die Herbergssuche. Ausgangspunkt war der Platz vor dem Kirchentor: Das Klopfen an die verschlossene Tür, das wiederholte Zuschlagen des Tores und das vertraute Herbergssuch-Lied machten spürbar, worum es geht – um Fragen von Ankommen, Abweisung und Hoffnung, eingebettet in die biblische Erzählung.
Von dort führte der Weg über zwei weitere, inhaltlich gestaltete Stationen weiter in die Kirche:
Die erste war Maria (samt Adventkranz) gewidmet: So wie auf sie kommt Gott auch auf uns zu, sind wir von Gott begnadet und können – wenn wir JA sagen – Gott zur Welt bringen.
Die 2. Station beim Krippenaltar bot die Möglichkeit, durch das Vornehmen einer ganz konkreten guten Tag Gott den Platz in der Welt „besser“ zu machen – ausgedrückt durch einen Strohalm, den alle als äußeren Vollzug in die Krippe legen durften (Pfarrer Gerald: „Gott kommt sowieso – wir aber können ihm den Weg durch unser Mitwirken bereiten!“) – jeder erhielt dafür eine Kerze, die bei der Gabenbereitung mit allem persönlichen Dank und Gebet, Freude und Sorge „vor Gott“ (ergo vor den Altar) gestellt wurden.
Am Hauptaltar mündete die Herbergssuche schließlich in die Feier der Eucharistie. So wurde auch in diesem Jahr ein Ritual vollzogen, das für viele zur festen Wegmarke am Ende der Adventszeit in St. Elisabeth gehört.