Zwischen Kreuz und Klage:
Ein Abend, der unter die Haut geht
Karfreitag in St. Elisabeth – 3. 4. 2026
Der Karfreitag begann am Nachmittag mit einer intensiv mitgefeierten Kreuzwegandacht – heutige Situationen von Krieg und Leid prägten die Andacht. Um 15 Uhr – zur überlieferten Todesstunde Jesu – wurde bewusst innegehalten: „Es ist vollbracht.“
Am Abend setzte sich die Feier der drei österlichen Tage fort. Schlicht und eindringlich der Beginn: kein Einzug, sondern ein stilles Sich-Hinwerfen vor Gott. Worte aus dem Hebräerbrief erinnerten daran, dass Christus unser Leben kennt, mitträgt und vor Gott bringt.
Im Wortgottesdienst wurde die Passion ungewöhnlich lebendig: Fünf biblische Gestalten – Petrus, Veronika, Simon von Cyrene, Maria aus Magdala und Johannes – gaben der Leidensgeschichte ihre Stimme. Aus verschiedenen Perspektiven wurde spürbar: Dieses Geschehen ist kein fernes Ereignis. Es berührt uns!.
In seiner Predigt stellte Pfarrer Gerald die Beziehung zu unserem Leben her: „Jetzt gilt es vom Zuschauen ins Handeln zu kommen; Karfreitag ist kein Theater, es geht nicht um ‚die damals‘. Es geht um uns – heute.“ Und er zitierte aus dem Text eines Liedes, das in Folge beim Tanz anklang: „Ich höre Dein SOS, Dein SOS“.
Nach meditativen Klängen des St.-Elisabeth-Chores galt es, die eigenen Tod-Situationen mit dem die Österliche Bußzeit begleitenden „Baustein“ zu verbinden oder auf kleine Zetterl zu schreiben.
Musik und stille Momente öffneten Raum, eigene Erfahrungen von Bruch und Grenze vor Gott zu bringen – sichtbar gemacht in aufgeschriebenen Gedanken und Symbolen.
Dann wurde das große Kreuz herein gebracht und in 3 Stationen vorgetragen, sowie enthüllt.
Alle waren eingeladen, den eigenen Kreuz-Situationen intensiv nachzufühlen. Diese Meditation fand dann Höhepunkt in einem beeindruckenden, von Raphaela Hauck vorgetragenen Ausdruckstanz zu Hilflosigkeit und Gottesfrage („Mein Gott – wo bist Du? Warum hilfst Du nicht?“).
Bei der Kreuzverehrung trugen die Mitfeiernden dann ihren Stein zum Kreuz, steckten ihre Zettel in die aufgestellte „Klagemauer“; andere verehrten mit Kniebeuge, Gebetsstille, Blumen oder Berührung.
Die großen Fürbitten weiteten schließlich den Blick auf die Not der Welt. Aktuelle, eingeblendete Bilder und Anliegen verbanden persönliches Erleben mit globalem Leid – getragen im gemeinsamen Gebet bis hin zum Vaterunser.
Am Ende kein Abschluss im eigentlichen Sinn: Während die „Grablegung Jesu“ verkündet wurde, zog die Feier in die in den Duft verglühender Myrrhe getauchte Kapelle weiter. Dort klang der Abend offen aus – im Angesicht von Tod und Stille, die noch keine Antwort kennt.
Fotos: Ute Schellner, Selina Hauck



















































































































































































































































































































